Spanien schnallt den Gürtel noch einmal enger – sehr zum Unmut der Gewerkschaften, die sogleich mit Streik drohten. Daneben kündigte auch Portugal überraschend weitere Maßnahmen an, um des Schuldenberges Herr zu werden..….
Dem Euro hilft das allerdings nicht mehr. Die Wahrnehmung der Akteure hat sich nämlich verändert: Die Angst vor einem plötzlichen Totalausfall der Einheitswährung hat sich zwar gelegt. Genau das wollten die europäischen Politiker mit ihrem 750-Milliarden-Rettungsnetz auch erreichen. Allerdings hat sich mittlerweile die Überzeugung breitgemacht, dass der Euro trotzdem weiter abdriften wird. Schließlich werden die harten Sparmaßnahmen überall in der Eurozone (sogar Deutschland will bald Einsparungen beschließen und verzichtet vorerst auf Steuererleichterungen) das künftige Wirtschaftswachstum über Jahre hinweg belasten. Entsprechend reduzieren und reduzierten auch langfristige Marktteilnehmer ihr Euro-Engagement.Da die Angst vor einem Euro-Kollaps erst einmal vom Tisch ist, erlaubt sich mancher kurzfristig aktive Händler vorerst den Luxus von Dip-Käufen oder Gewinnmitnahmen aus Short-Positionen. Begleitet werden diese Aktivitäten – wie so oft – von Diskussionen um die Verteidigung von Optionsbarrieren (diesmal bei 1,2450 und 1,2500). Wir glauben aber nicht, dass diese lange Bestand haben werden, denn das Risiko reicht nun bis 1,2310. Diese Marke würden wir als Kursziel nutzen, sofern uns der Einstieg 40 Stellen vor dem 1,2615er Widerstand (gleichzeitig Risikolimit) gelingt. Wir würden jedoch Abstand von diesem Vorhaben nehmen, sollte der Euro zuvor auf ein neues Jahrestief (1,2510) rutschen.Sparprogramme in Spanien und Portugal
Mehrere große EU-Staaten sind mit den angekündigten Haushaltsprüfungen der EU einverstanden: Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, eine Kontrolle der Budgets vor ihrer Verabschiedung sei nicht schlecht; Vize-Kanzler Guido Westerwelle sieht dagegen die nationale Souveränität gefährdet. Ungeteilte Zustimmung gab es dagegen aus Paris und Rom. Unterdessen verschärfen nach Griechenland auch Spanien und Portugal ihre nationalen Sparprogramme. Madrid kündigte zusätzliche Kürzungen über 15 Mrd. EUR an; Portugal will durch Steuererhöhungen ebenfalls Milliarden einsparen. In Italien forderte der Arbeitgeberverband Confindustria „unpopuläre Entscheidungen“ wie eine Anhebung des Rentenalters und Nullrunden für den öffentlichen Dienst.
EZB verteidigt Staatsanleihen-Kauf
Die Europäische Zentralbank hat den Ankauf von Staatsanleihen gegen ihre immer noch zahlreichen Kritiker verteidigt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und Chef-Volkswirt Jürgen Stark betonten, dass sie ihre zentrale Aufgabe stabiler Preise fest im Blick hätten. Stark beteuerte, vom Aufkauf gehe keine Inflationsgefahr aus. Teil des Beschlusses sei, „dass wir die zusätzliche Liquidität, die wir in den Markt geben, wieder zurücknehmen“. Trichet sagte: „Wir lassen jetzt nicht die Gelddruckmaschinen rotieren“. Über Details wollten beide nicht sprechen – offenbar bewusst: Ein Insider der Währungspolitik sagte, es gebe kein vorbestimmtes Volumen für die Käufe; eine Diskussion über genaue Zahlen sei kontraproduktiv: „Wir sollten jede Information vermeiden, die für spekulative Angriffe verwendet werden könnte“.
US-Politik greift Unabhängigkeit der Fed an
Der US-Notenbank Fed könnte ein historischer Einschnitt bevorstehen: Nach dem Willen des USSenats soll sie alle Details ihrer milliardenschweren Rettungsaktionen während der Finanzkrise offen legen. Nach den Vorschlägen müsste sie sich einem einmaligen Audit zu ihren seit Dezember 2007 gewährten Notkrediten durch den Kongress stellen und bis Ende des Jahres genaue Informationen über die Empfänger der Hilfen veröffentlichen. Entscheiden muss darüber nun noch die Kammer für die USFinanzmarktreform. Analysten halten es für durchaus realistisch, dass der Vorstoß Gesetz wird. Bislang galt ein solcher Schritt als undenkbar: Die Fed achtet streng auf ihre Unabhängigkeit, ihre Strategie ist geheim. Sie steht wegen ihrer Krisenpolitik allerdings noch immer in der Kritik. Einen stärkeren Eingriff in ihre Befugnisse, nämlich Einblick in die Geldpolitik, hatte die Kammer aber bereits abgelehnt.
Diskussion über Finanzsteuer
Unter dem Eindruck der Finanzkrise hatte die Bundesregierung zunächst eine weltweite Finanztransaktionssteuer gefordert. Nachdem die US-Regierung aber einer Bankenabgabe den Vorzug gab, zog auch Deutschland nach. Unter dem Eindruck der Schulden- Krise zeigt die Bundesregierung nun wieder Sympathien für die Steuer. Und zwar für den Vorschlag des IWF: eine Abgabe unter anderem auf Gewinne und Manager-Boni. „Alle sind sich einig, dass wir eine Bankenabgabe und eine neue Steuer brauchen“, sagte etwa CDU-Kanzleramtschef Ronald Pofalla. Der Streit um die Finanzmarktsteuer werde generell überbewertet. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach plädierte für eine internationale Finanztransaktionssteuer. Werde sie allerdings nicht global eingeführt, würden „die Geschäfte, die man abschöpfen will, anderswo steuerfrei abgewickelt werden und dann steht Deutschland dumm da“, sagte er.
Merkel verteidigt den Euro
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zur Verteidigung des Euro aufgerufen. „Scheitert der Euro, (..) dann scheitert Europa, dann scheitert die Idee der europäischen Einigung“, sagte sie. Die Krise müsse Anlass sein, Mängel an der europäischen Architektur zu beheben. Man werde dabei auch „vertragliche Konsequenzen“ ziehen und Probleme ehrlicher ansprechen müssen.
Quelle: Deutsche Bank CMS: Märkte am Morgen; Autor: Cognitrend
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